Jahresbericht 2023

Das Jahr 2023 war sportlich von zwei herausragenden Großveranstaltungen geprägt – der Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Neuseeland und Australien, sowie den Special Olympics World Games (SOWG) in Berlin. Beide Veranstaltungen sind aus menschenrechtlicher Sicht bedeutsam. Sie zeigten einerseits, dass bei entsprechender medialer Begleitung ein Interesse der breiten Öffentlichkeit an Frauenfußball und an Sport für Menschen mit geistiger Behinderung besteht. Andererseits zeigte das übergriffige Verhalten des Präsidenten des spanischen Fußballverbands während der Siegerehrung der Frauenfußball-WM, dass Frauen im Fußball noch lange nicht mit dem gleichen Respekt behandelt werden wie Männer. Dies spiegelt sich nicht zuletzt auch in der unterschiedlichen Zahlung von Prämien für gleiche Leistungen wider. Die SOWG wiederum wurden als sozial-integrative Sportveranstaltung viel beachtet und gelobt. Sie zeigten, dass Menschen mit geistiger Behinderung mit großer Leidenschaft und Begeisterung Sport treiben und ihre Inklusion in Sportvereinen und -verbänden noch weiter vorangetrieben werden sollte. Die menschenrechtlichen Bezugspunkte beider Veranstaltungen nahm das ZMS 2023 zum Anlass für eine nähere inhaltliche Befassung mit Frauenrechten und Inklusion sowie menschenrechtliches Empowerment im Sport.

Aktivitäten des ZMS

Im ersten Quartal knüpfte das ZMS mit Fach- und Hintergrundgesprächen im politischen Berlin zum Thema Menschenrechte und Sport an den Diskurs rund um die Fußball-WM der Männer in Katar aus November/Dezember 2022 an. Jonas Burgheim trug als ZMS-Präsident mit einem Impulsreferat auf einer Veranstaltung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu Menschenrechten in Sport für Entwicklung fachlich bei. Dabei unterstrich er die Bedeutung von Menschenrechtsbildung im Sport sowie von Dialogformaten und regte eine stärkere Fokussierung hierauf rund um die Fußball-Europameisterschaft der Männer in Deutschland in 2024 (EURO 2024) an.

Auch für das Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland hielt Jonas Burgheim im April einen Impulsvortrag zum Thema Menschenrechte und Sport. Sein Aufruf zu einem größeren Bewusstsein für die Relevanz von Menschenrechten im und ihre Stärkung durch Sport kann hier nachgesehen werden.

Regelmäßig nahm das ZMS zudem an Veranstaltungen anderer Organisationen zum Thema teil: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) lud im Mai und September 2023 zu seinem zweiten und dritten Runden Tisch „Sport und Menschenrechte“ in Berlin ein. Das ZMS setzte auch dort fachliche Wegmarken und machte deutlich, dass die Betroffenenperspektive für gelingende menschenrechtliche Sorgfaltstets handlungsleitend sein und das Thema Menschenrechte vermehrt auch in den Breitensport getragen werden müsse. Das ZMS unterstützt dieses Vorhaben durch Bildungsangebote.  Es trug unter anderem zur Entwicklung eines Erklärvideos zum Thema Menschenrechte und Sport des DOSB und der Deutschen Sportjugend (dsj) anlässlich des 75jährigen Jubiläums der UN Menschenrechtscharta bei.

Im Juli nahm Präsidiumsmitglied Dr. Ben Weinberg am 59. internationalen Jugendlager der Solijugend, einer Jugendorganisation des Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität Deutschland 1896 e. V. (RKB), teil und hielt einen Workshop zum Thema Menschenrechte und Sport für die Leitung und das Hauptamt der Solijugend ab.

Im September 2023 trug das ZMS an einer der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien West (RENN.west) organisierten Zukunftskonferenz zum Thema „Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen“ in Dortmund teil. Vizepräsidentin Viktoria Krüger unterstrich in der Paneldiskussion die Position des ZMS, dass Menschenrechte ein Querschnittsthema im Nachhaltigkeitskontext darstellen und deshalb ihre ganzheitliche Betrachtung noch stärker geboten sei. 

Im November sprach Dr. Ben Weinberg im Namen des ZMS auf einer Podiumsdiskussion des RKB zum Thema „(Rad-)sport im Nationalsozialismus. Eine Vergangenheit, die nicht vergeht?“. Ein Ausschnitt der Diskussion ist hier zu finden. 

Das Bundesinnenministerium (BMI) lud für den 14. November 2023 ebenfalls in Berlin zu seiner zweiten Konferenz „Sport und Menschenrechte“ ein. Auch hierzu konnte das ZMS thematisch beitragen, mitdiskutieren und weitere Anregung für eine Stärkung und Förderung von Menschenrechten im und durch Sport geben: Als Grundlage für die Annahme einer Menschenrechtserklärung für die EURO 2024 hatten im Vorfeld dieser Veranstaltung Stakeholderbeteiligungsrunden stattgefunden. Mit seiner kritischen Fachlichkeit setzte sich das ZMS in der Erarbeitung für eine möglichst starke Menschenrechtserklärung ein. Die schließlich von der Bundesregierung, der EURO2024 GmbH, der Uefa, dem DFB, Vertreterinnen der Länder und Austragungsorte auf der Konferenz angenommene Erklärung griff einige der vom ZMS eingebrachten Aspekte auf. Eine aktive Umsetzung mit Betroffenenfokus ist rund um die EURO 2024 geboten. Gleiches gilt für das Konzept „Polizei und Menschenrechte – Konzeption aus Anlass der EURO 2024“, das das ZMS ebenfalls fachlich-kritisch kommentierte; auch in diesem Kontext wurden verstärkte Schulungsmaßnahmen (u.a. für Einsatzkräfte der Polizei und Sicherheitsdienstleister) zur Stärkung der Achtung von Menschenrechten dringend angeregt. Schließlich erfolgte eine punktuelle Einbindung des ZMS in die Konzeption einer Beschwerdemöglichkeit für Menschenrechtsanliegen rund um die EURO 2024. Das BMI hat eine Anwaltskanzlei mit der Umsetzung betraut; inwieweit ein für den Bereich Menschenrechte und Sport angemessener Einbezug von potentiell von Menschenrechtsfällen Betroffenen erfolgte, ist unklar.

Runder Tisch „Menschen. Rechte. Sport“

Im Sinne des Satzungsziels des ZMS, Akteurinnen aus dem Bereich Menschenrechte und Sport eine Plattform für Austausch zu bieten, lud das ZMS für den 7. Dezember 2023 zum dritten Runden Tisch „Menschen. Rechte. Sport“ mit dem Thema„Menschenrechte und Empowerment“ ein. Etwa 30 Vertreterinnen aus Politik, Sport, Zivilgesellschaft, Sportindustrie und Wissenschaft tauschten sich auf Einladung des ZMS im Online-Format engagiert darüber aus, was menschenrechtliches Empowerment im Sport bedeutet. Im Rückgriff auf die Frauen-Fußball-WM in Australien und Neuseeland und die Special Olympics World Games in Berlin standen die Themen Frauen-und Mädchenrechte sowie Rechte von Menschen mit geistiger Behinderung dabei im Fokus. Die Veranstaltung ermöglichte den Teilnehmenden Themenbeiträge für das ZMS-Policy Paper „Menschenrechtliches Empowerment im Sport“ zu leisten, dessen Veröffentlichung für 2024 geplant ist. Als externe Impulsgeberinnen konnten zu Frauenrechten im Sport Dr. Michaela Werkmann von der Universität Freiburg und zu Themen der Inklusion Keren Vogler und Michael Lohfink von Special Olympics Deutschland gewonnen werden; die inhaltliche Konzeption und Durchführung seitens ZMS erfolgte durch ZMS-Mitglied Sascha Düerkop und Vizepräsidentin Viktoria Krüger. 

Der Runde Tische „Menschen. Rechte. Sport.“ ist das bundesweit einzige ergebnisoffene Dialogformat zum Thema Menschenrechte und Sport; auch 2023 gelang in diesem geschützten Raum durch Beiträge der Teilnehmerinnen wieder fachlich wertvoller themenspezifischer Dialog. 

Ausblick

Das ZMS hat sich als junger gemeinnütziger Verein ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement innerhalb von nur knapp 3,5 Jahren eine beachtenswerte Position innerhalb des Themenfeldes Menschenrechte und Sport in Deutschland erarbeitet. Es wird als Fachorganisation anerkannt und von relevanten Akteurinnen gesucht.

Im Lichte der positiven Erfahrung aus 2022 und 2023 ist auch für 2024 die Veröffentlichung eines Policy-Papers mit Bezug zu externen und eigenen Themenschwerpunkten beabsichtigt. Um die Position des ZMS weiterhin zu festigen und das fachspezifische Netzwerk weiter auszubauen, ist die Fortführung des Runden Tischs „Menschen. Rechte. Sport“ für das dritte oder vierte Quartal 2024 geplant. Auch die eigenen Schulungs- und Bildungsformate und -aktivitäten sollen 2024 gemeinsam mit ausgewählten Partnerinnen weiter verbreitet werden. Rund um die EURO 2024 wird das ZMS zudem durch diverse Fachbeiträge und Veranstaltungsteilnahmen das Themenfeld Menschenrechte und Sport weiter versuchen hervorzuheben. Hierzu soll die Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen und sonstigen Organisationen gefördert werden, um Wirksamkeit zu stärken.

Am 4. Mai 2024 wird zudem die vierte ordentliche Mitgliederversammlung des ZMS in Berlin stattfinden. In ihrem Rahmen wird 2024 auch die Wahl eines neuen Vereinspräsidiums erfolgen. Regelmäßige Beiträge von Vertreterinnen des ZMS-Präsidiums zu geeigneten Fachveranstaltungen, in Vortrags-, Talk- oder Interviewformaten sind zur weiteren Themenstärkung beabsichtigt.

Erklärtes Ziel des ZMS ist es zudem, zusätzliche Mittel für die sich entfaltenden Vereinsaktivitäten, inklusive der Strukturentwicklung und Professionalisierung des Vereins, einzuwerben. Das Schwerpunktthema der Menschenrechtsbildung im und durch Sport soll dabei und dadurch weiter besondere Aufmerksamkeit erfahren. Eine Stärkung der eigenen Rolle als allgemeine Anlaufstelle für Menschenrechtsfragen im Sport ist möglich. Die derzeitige ausschließlich ehrenamtliche Arbeit und Geschäftsführung des ZMS verlangt einen großen Einsatz aller Mitglieder und insbesondere des Vereinspräsidiums.

Wir möchten uns daher ganz ausdrücklich für das Engagement aller ZMS-Mitglieder sowie allen bisher erhaltenen Rat, Zuspruch, Spenden und sonstige Unterstützung herzlich bedanken! 

Mit Tatendrang freuen wir uns auf den weiteren gemeinsamen Einsatz für die Achtung und den Schutz der Menschenrechte im und durch Sport!