WIE HÄNGEN MENSCHENRECHTE UND SPORT ZUSAMMEN?

Sport ist facettenreich, vielschichtig, spricht eine universelle Sprache und kann eine positive Wirkung entfalten. Er kann Werte vermitteln, die Gesundheit fördern und zur persönlichen oder gesellschaftlichen Entwicklung beitragen.

Im Sport existieren aber gleichzeitig besondere Herausforderungen und Problemstellungen. Viele von ihnen können unter dem Schirm der Menschenrechte gebündelt werden. Zu ihnen gehören zum Beispiel: Fälle von Diskriminierung, Exklusionsprozesse in Vereinen und Verbänden, interpersonelle und sexualisierte Gewalt, schwierige Rahmen- und Arbeitsbedingungen in Austragungsländern oder in Wertschöpfungs- und Lieferketten der Sportartikelindustrie und sportnahen Wirtschaftszweigen, gesundheitsgefährdende Leistungsexzesse, Doping, eingeschränkter Zugang zu Sportaktivitäten, Einschränkungen von Meinungsäußerungen der Athletinnen im Wettkampfumfeld etc.

Die menschenrechtliche Dimension im Sport ist vielfältig, hat verschiedene Ebenen, unterschiedliche Ausprägungen, Strukturen und existiert in diversen Konstellationen. Der Gesellschaftsbereich des Sports weckt und bedient jedoch zumeist positive Assoziationen und Emotionen. Eine Auseinandersetzung mit seinen potentiell negativen menschenrechtlichen Auswirkungen fällt unter anderem deshalb besonders schwer. Sowohl im gemeinnützigen Amateur- als auch im kommerzialisierten Spitzensport gilt jedoch wie in allen Gesellschaftsbereichen: die Universalität, Unteilbarkeit und Unveräußerlichkeit der international anerkannten Menschenrechte sowie ihre materielle Schutzwirkung sind stets anzuerkennen und zu achten.

In den zurückliegenden Jahren fanden Menschenrechte in Sport und Sportpolitik folgerichtig zunehmende Beachtung. Ausgangspunkt hierfür war die zunehmende Einbettung von Menschenrechten in eine Vielzahl von Politikbereichen. Für den Bereich der Sportpolitik sind der Europarat, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) und auch der UN-Menschenrechtsrat hierbei maßgeblich. Eine Gruppe von NGOs und Athletenvertretungen hat sich zudem zur Sport & Rights Alliance für die Stärkung von Menschenrechten und Anti-Korruptions-Maßnahmen im Sport zusammengeschlossen. Auch international führende Sportverbände wie die FIFA oder das IOC wenden sich als Folge dieser Entwicklungen ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht zu.

Die internationale Schwerpunktsetzung bringt auch in Deutschland neue Aufmerksamkeit für das Thema mit sich. Bevorstehende Sportgroßveranstaltungen mit menschenrechtlich kritischen Rahmenbedingungen (z.B. Olympische Winterspiele in Peking/China, Fußball WM in Katar, beide 2022) verstärken die Auseinandersetzung mit dem Thema weiter. Veranstaltungen wie diese können die Aufmerksamkeit erhöhen. Aber: Menschenrechtliche Herausforderungen spielen im Sport auch ganz unabhängig von ihnen eine gewichtige Rolle. Mit unserer Arbeit möchten wir daher den allgemeinen Diskurs zu Menschenrechten und Sport in Deutschland aktiv unterstützen und inhaltlich stärken.

Du möchtest dich weiter mit dem Thema befassen?
Diese ständig aktualisierte Liste von Neuerscheinungen und Literatur zu Menschenrechten und Sport vom Informationsportal des Bundesinstituts für Sportwissenschaft bietet dazu vielfältige Gelegenheit.